VMUG UserCon 2017 Germany

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Kap Europa

Kap Europa

Am vergangenen Mittwoch (14.06.2017) fand die jährliche deutsche VMUG UserCon-Konferenz in Frankfurt (KAP Europa, Kongresshaus der Messe Frankfurt) statt. Diese Konferenzen finden einmal im Jahr statt und ergänzen die regionalen VMUG-Konferenzen – es lohnt sich, eine solche Konferenz zu besuchen! Neben zahlreichen Ausstellern gab es ca. 40 interessante Fachvorträge, von denen einige zukünftige Ideen und Roadmaps beinhalteten und somit einer Verschwiegenheitsvereinbarung (NDA, non-disclosure agreement) unterlagen.

Ich habe mich für die folgenden Vorträge entschieden:

  • A Closer Look at VMware Cloud on AWS (Frank Denneman, VMware)
  • Virtual SAN 6.5/6.6: Neuigkeiten, Tipps zur Einführung, Troubleshooting und Monitoring (Andreas Scherr, VMware)
  • vSphere 6.5 : Host Resources Deep Dive (Frank Denneman, Niels Hagoort)
  • Mastering vCenter Upgrade and Migration (Ivaylo Loboshki, VMware) – NDA
  • vSphere 6.5 WebClient (HTML5, Web Client) + Future Roadmap (Rekha Belur, VMware) – NDA
  • VMware & AWS together! (Julien Simon, Amazon)

Auf die NDA-Vorträge kann ich an dieser Stelle natürlich nicht eingehen.

Keynote

Markus Klein (Senior Director Systems Engineering CEMEA, VMware) gab einen kurzen Ausblick auf die aktuelle Zukunftsvision VMwares. Demnach liegt besonderes Augenmerk auf verbesserten Public Cloud-Integrationen – worunter auch das später vorgestellte VMware Cloud on AWS fällt. Im Zusammenhang mit dem Thema „Digital Workspaces“ fiel auch das Schlagwort „IoT“ – hier bin ich gespannt, welche Neuigkeiten in Zukunft zu vernehmen sind.

Dr. Heinz-Hermann Adam (Mitglied des VMUG-Vorstands) gab einen Überblick über die verschiedenen regionalen und thematischen Gruppen der deutschen VMUG. Im Rahmen der Auflistung von Vorteilen einer VMUG Advanced-Mitgliedschaft wurde auch nochmal das EVALexperience-Programm erwähnt. Dieses ermöglich es, diverse VMware-Produkte ein Jahr lang ohne Support für Test- und Lernumgebungen zu verwenden. Neu hinzugekommen sind zuletzt die Produkte NSX und vRealize Network Insight – ergänzend hierzu gibt es einige neue Gruppen auf dem VMUG-Portal.

Jens-Henrik Söldner (Söldner Consult), welcher am neulich erschienenen Buch „Mastering vRealize Automation 7.1“ beteiligt war, bot kostenlose eBook-Kopien des Buchs für Besucher des Events an. Ein sehr cooles Angebot, wie ich finde! Ich freue mich schon darauf, mein Fachwissen damit aufzuwerten. 🙂

VMware Cloud on AWS

Besonders interessant fand ich das Thema VMware Cloud AWS, welches vor kurzer Zeit als Technical Preview angekündigt wurde und diesen Sommer für produktive Workloads freigegeben wird (GA). In den beiden Keynotes wurde das Produkt von Frank Denneman (VMware) und Julien Simon (Amazon Web Services) thematisiert.

Konkret geht bei VMConAWS darum, enterprise-erprobte VMware-Infrastruktur auf kostengünstiger AWS-Infrastruktur (Amazon Web Services) abzubilden. Technisch betrachtet werden in einer AWS VPC (Virtual Private Cloud), welche von VMware bezahlt wird, die folgenden Produkte bereitgestellt:

  • vSphere ESXi 6.5
  • vCenter Server
  • vSAN
  • NSX

Der Kunde benötigt on-premise jedoch nicht zwingend NSX, es kann auch ein VPN-Endpoints zur Verbindung verwendet werden. Für Kunden mit besonders hohen Datendurchsatz-Anforderungen gibt es die Möglichkeit einer 10G-Anbindung zwischen AWS und der on-premise NSX-Installation – AWS DirectConnect. Hierbei wird eine Uplink-Verbindung zwischen „dem“ on-premise und AWS-Switch hergestellt. Da vCenter Server zum Einsatz kommt, ist es auch möglich weitere Produkte, wie beispielsweise die vRealize-Suite und vSphere Integrated Container zu verwenden. Die vCenter-Instanz in der AWS Cloud lässt sich nahtlos in das on-premise vCenter-System integrieren. Interessant ist auch, dass die o.g. Produkte auf dedizierter Hardware innerhalb der AWS-Infrastruktur installiert werden – datenschutztechnisch ein überaus wichtiger Aspekt. Durch die Implementation von APIs ist später das native Nutzen weiterer AWS-Services (wie beispielsweise EC1, S3, RDS,…) geplant.

VMware Cloud on AWS wird von VMware als Service vermarktet, was bedeutet, dass VMware als SPOC (Single Point of Contact) agiert. Hypervisor und Management-Produkte werden von VMware betreut, AWS stellt die Hardware bereit. Demzufolge sind die folgenden Einschränkungen gegeben:

  • Kein Root-Zugriff
  • Keine Installation von VIB-Dateien
  • Keine eigenständige Netzwerk-Konfiguration (diese wird ja von VMware bereitgestellt)

Der Kunde kann sich also voll und ganz auf seine eigenen Workloads fokussieren. Als mögliche Einsatzgebiete wurden genannt:

  1. Erweiterung der lokalen Infrastruktur für Disaster Recovery
  2. Konsolidierung/Migration bestehender Infrastrukturen und Applikationen
  3. Flexiblere Workloads durch Ausgleichen von Anforderungsspitzen
AWS Rekognition

AWS Rekognition

In der zweiten Keynote wurden einige weitere Amazon Services vorgestellt – ein Thema, mit dem ich mich bisher nicht beschäftigt habe. Besonders interessant fand ich die Dienste Rekognition und Polly, die massiv von Deep Learning profitieren. Beide Services können über entsprechende APIs in verschiedenen Programmiersprachen verwendet werden (Python, Java, iOS, Ruby,…).

Rekognition dient zur maschinellen Typisierung von Bildern – so lassen sich beispielsweise Bilder, Objekte, Szenen und Gesichter (inklusive Mimik) automatisch erkennen. Dabei werden Übereinstimmungen und Tendenzen (Emotionen, Szene, Personen) zurückgeliefert.

Polly ist ein Text2Speech-Service, welcher nicht nur zahlreiche Sprachen, sondern auch Sprachdialekte anbietet (beispielsweise britisches, amerikanisches und indisches Englisch). Die Stimmen klingen dabei sehr menschlich, was man nicht von allen Sprachsystemen behaupten kann.

vSAN 6.5/6.6

Andreas Scherr (VMware) präsentierte die letzten vSAN Produkt-Aktualisierungen sowie einige Tipps und Tricks.

Seit vSAN 6.6 wird die Aktualisierung der mittlerweile von über 8000 Kunden verwendeten Software Defined Shared-Storage-Lösung auch unabhängig vom Hypervisor vorgenommen, was vor allem der sehr aktiven Entwicklung geschuldet ist.

Einige Highlights der beiden Versionen sind für mich:

vSAN 6.5 vSAN 6.6
  • Unterstützung von iSCSI-Targets für Fremdsysteme
  • Maximale LUN-Größe von 62 TB
  • 2-Node Quorum-Support (Host-zu-Host ohne Switch)
  • Unterstützung von 512e-Laufwerke
  • Unterstützung von 100 GBe-Netzwerkadaptern
  • Unicast statt Multicast (keine Änderung der Netzwerkkonfiguration mehr nötig)
  • Verschlüsselungen von Disks (KMIP-kompatibler Anbieter benötigt)
  • Höhere IOPS durch verbesserten Checksum-/Dedup-Algorithmus
  • vRealize Management-Pack
  • Überarbeiteter Wartungsmodus
  • vSAN Config Assist ist nun HCL-aware und kann Treiber-/Firmware-Updates installieren
  • PowerCLI-Integration

Die Tipps aus dem Projektgeschäft waren lehrreich, da der ein oder andere Vermerk nicht direkt aus den Produktdokumentationen ersichtlich war.

Wertvoll fand ich den Hinweis, dass ESXi seit Version 6.5 auch native Treibermodule bietet, die im Gegensatz zu den Linux-Treibern direkt in den Kernel und nicht als Fremdmodul geladen werden. Falls möglich, ist es ratsam native Treiber (beispielsweise ixgben statt ixgbe oder igbn/igb) zu verwenden.

Beim Auswahl der Storage-Controller sollte darauf geachtet werden, dass dieser eine Queue Depth von mindestens 256 hat – andernfalls ist mit keiner berauschenden Performance zu rechnen. Hinsichtlich der SSDs sollte Augenmerk auf SAS-SSDs gelegt werden, da diese – im Gegensatz zu SATA-SSDs – ein leistungsfähigeres Protokoll verwenden.

Interessant fand ich den Hinweis, dass ein vSAN-Cluster mit einer Speicherauslastung von mehr als 70% automatisch eine Neuverteilung auslöst, bis die Speicherplatz-Nutzung alles Ressourcen wieder unter diesem Limit liegt. Je nach Workloads und Infrastruktur kann diese Neuverteilung die Performance signifikant beeinträchtigen. Nach der Implementation oder Aktualisierung von vSAN-Setup empfiehlt es sich, das Fling HCIBench (Hyper-converged Infrastructure Benchmark) zu verwenden. Das Tool wird als Appliance bereitgestellt und provisioniert automatisch diverse Workloads, um die Leistungsfähigkeit des Speichers zu verifizieren.

Host Resources Deep Dive

Full House!

Full House!

Seit einiger Zeit arbeiten Frank Denneman (VMware) und Niels Hagoort (Freelancer) an einem Buch, welches sich intensiv mit Computing-, Storage- und Netzwerk-Ressourcen beschäftigt. Der gut besuchte Vortrag griff einige Themen des bald erscheinenden Buchs auf, beispielsweise vorteilhafte und unvorteilhafte Speichermodul-Anzahlen. So ist es ratsam nicht mehr als zwei DIMM-Module pro Speicherkanal anzubinden, da bei drei Modulen der insgesamte Datendurchsatz je nach Speicher im ungünstigsten Fall bis zu 28% langsamer ist. Teuer nachgekaufte Module könnten dann im Extremfall die Performance eines Systems also verschlechtern. Die Intel Skylake-Architektur bietet zwei weitere Speicherkanäle an, somit stehen gegenüber der Vorgänger-Generation Broadwell bis zu 6 Speicherkanäle zur Verfügung.

Interessant fand ich auch den Hinweis, dass einer virtuellen Maschine zum Versenden und Empfangen von Netzwerkpaketen ESXi-seitig standardmäßig nur ein Thread zur Verfügung steht. Beim Einsatz der VMXNET3-Netzwerkkarte ist es möglich, zusätzliche Threads freizuschalten – dies geschieht über die Erweiterung der VM-Konfigurationsdatei:

ethernet0.ctxPerDev = "1"

ethernet0 muss ggf. durch die entsprechende Netzwerkkarten-Nummer ersetzt werden.

Ich bin sehr auf das fertige Buch gespannt – in der Zwischenzeit kann man sich mit folgendem Vortrag von der letzten VMworld einige weitere Anregungen holen: INF8430 – VMworld 2016: vSphere 6.x Host Resource Deep Dive

Eine Aufzeichnung der entsprechenden Session ist auf YouTube zu finden.

Fazit

Wer sich mit VMware-Virtualisierung beschäftigt, sollte unbedingt mal eine VMUG UserCon besuchen. Hier gibt es immer zahlreiche interessante Vorträge und viele Möglichkeiten zum Gedankenaustausch und Networking. Mir hat die diesjährige UserCon – wie immer – viel Spaß bereitet und ich freue mich schon auf die nächste Veranstaltung. 🙂

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